Die Samburu

Ein alter Name, unter dem sie einmal bekannt waren, ist „Burkineji“, eine Sprachverfälschung von Loibor Kineji - jene der weißen Ziegen.

Samburu Krieger Der Stamm der Samburu lebt im Norden Kenyas auf einem Gebiet von ca. 28490 qkm, das sowohl das Lerogi Plateau mit seinen Zedernwäldern als auch das trockene Buschland des Norden einschließt. Kulturell wie auch sprachlich sind die Samburu den Maasai eng verwandt, von denen sie sich im 16. Jahrhundert, im Laufe ihrer Wanderungen den Nil hinab nach Süden, abgespalten haben. Der Lebensstil der Samburu hat sich über die Jahre hinweg ebenfalls nur wenig verändert. Er ist der am nördlichsten lebende Stamm, der Maa spricht.

Dieses Hirtenvolk lebt in niedrigen Hütten aus ineinander verflochtenen und zur besseren Isolierung mit Schlamm und Rinderdung bestrichenen Zweigen. Dachmatten aus Sisal geben oft zusätzlich Schutz. Jede dieser Hütten ist mit zwei aus Zweigen geflochtenen Betten ausgestattet, die mit Ziegen- oder Rinderhaut bedeckt sind. Im größeren der beiden Betten schläft die Mutter und im kleineren die Kinder.

Auch die Samburu leben polygam, und die Männer besuchen ihre Ehefrauen der Reihe nach. Ein Hauptbestandteil ihrer Nahrung ist eine yoghurtähnliche Dickmilch, die ab und zu mit Blut vermischt wird. Lediglich bei besonderen Anlässen kommt Fleisch auf den Tisch. Der Reichtum einer Samburu-Familie wird an der Anzahl der Kamele, Kühe und Ziegen gemessen, die sie besitzt.

Die Samburu schmücken sich mit Perlenschnüren und Metallreifen um Hals und Arme.

Woher der Stamm kam und wie er sich von seinen Nomadenbrüdern, den Maasai, trennte, basiert nur auf Vermutungen. Es scheint so, als kämen sie aus dem Gebiet, das sich heut Sudan nennt. Sie trennten sich vor langer Zeit von den Maasai, um eine artverwandte Gruppe zu bilden. Die alten Samburu bekräftigen, aus einem Gebiet namens Pagaa zu stammen, das sie aus Folge einer Hungersnot verlassen mußten.

Die Samburu sind in acht große Familien aufgeteilt, von denen fünf direkter Abstammung ihrer Vorfahren sind, die anderen drei entstanden durch immer wieder vorkommende Zersplitterungen, die durch Stammeskonflikte bedingt waren.

Das Gesellschaftswesen der Samburu basiert auf dem Ältesten-Prinzip. Macht und allgemeine Entscheidungen unterliegen der Verantwortung der Alten. Die Frauen haben einen geringen Einfluß auf die Gesellschaft, weil ihr Verbleiben im Clan unbestimmt ist.

Wie in fast jedem Stamm der Bantu, der Niloten und Kuschiten, ist das jeweilige Alter einer Person zur Einstufung in das Soziale System maßgebend. Demzufolge steigt mit dem Alter die soziale Verantwortung. Der Rangstufe des Nkerai (des Kindes) folgt die des Layeni (des Hirtenjungen), dann folgt der Rang des Lmurran (des Beschnittenen oder Kriegers). Diese Phase reicht vom 12. bis zum 18. oder 19. Lebensjahr. Auf der obersten Rangstufe steht der Lpayan, der verheiratete Mann, ein Bürger, der für seinen Stamm verantwortlich ist.

Die religiösen Überzeugungen und Gebräuche der Samburu machen Nkai (Gott) zum Mittelpunkt; dem folgen Gebete an Gott und Opferriten.

Das Gebiet, von dem die Samburu glauben, daß Gott dort lebe, ist unterschiedlich: normalerweise an wunderschönen Orten: dazu zählen die Berge Von Ngíro, Marsabit und Kulal.

Die größte Hoffnung eines alten Menschen, der sich dem Tode nahe fühlt, besteht darin, daß ihm die Ehre eines Begräbnisses zuteil werde (und nicht den Tieren zum Fraße vorgeworfen zu werden) mit dem Gesicht zu den Bergen, dem Sitz Gottes, gerichtet. Andere Stätten, von denen man glaubt, daß Gott dort lebe, sind die großen Bäume, Gruben und die Wasserquellen.

Wie in vielen Stämmen Kenyas, und Afrikas überhaupt, gibt es bei den Samburu auch einen Medizinmann, der sich jedoch nicht gern öffentlich zeigt. Er vermacht sein Wissen über den Gebrauch der Kräuter und Gifte dem fähigsten Sohn. Er ist eine gefürchtete Persönlichkeit, und man spricht nicht gern mit ihm. Wenn er stirbt, wird er unter einem Steinhaufen begraben. Man ruft ihn bei unheilbaren Krankheiten, Sterilität, Tierpest und bevor man dem Feind gegenübertritt. Seine Waffen sind Steinchen, allerlei Plunder und Wurzeln, die in Kürbissen gehalten werden. Er wird mit Ochsen und Hammeln entlohnt.

Eine weitere Persönlichkeit ist der Laidetidetani, der Wahrsager oder Traumdeuter, mit Kenntnissen über die Sterne, und der Fähigkeit, die Ankunft des Regens vorherzusehen. Der Lais ist ebenso eine mit Macht ausgestattete Person, nämlich verlorene Sachen wiederzufinden und Glück oder Unglück zu bringen. Nur der Laidetidetani ist gern gesehen, die anderen weniger. Sie stammen von den Ndorobo, Rendille oder Turkana als Nachfahren ab.

Die einzigen Waffen des Samburu-Mannes bestehen aus dem klassischen Speer (mpere) mit der lanzenförmigen Spitze, dem Degen - ähnlich dem der Maasai, dem Knüppel (rungu), dem Schild aus Büffel- oder Giraffenhaut gefertigt (meistens in rechteckiger Form mit einer Länge über 1m und einer Breite von 30 bis 40cm), außerdem benutzen sie Pfeil, Bogen und Köcher.

Eine außerordentlich wichtige und feierliche Zeremonie - die Beschneidung:
Umherreisend, trifft man manchmal Jungen an, die mit schwarzem Leder bekleidet sind. Es sind die Kandidaten für die Beschneidung. Ihre Mütter haben diese Bekleidung, die aus eingefetteter und mit Kohlepulver bestrichener Schafshaut besteht, für sie vorbereitet. Große Kopfschmerzen bereiten die Zeitwahl der Beschneidung, morgens oder abends, die Jahreszeit, die Paten usw., und auch der Rang der Väter der Kandidaten muß berücksichtigt werden. Es ist eine große Schande für die Familie, bei der Beschneidung Angst zu zeigen. Es ist bewegend zu sehen, wie die Mütter der Kandidaten laut schreiend Flüche und Stoßgebete von sich geben, in der Hoffnung, daß sich ihre Söhne pflichtgemäß verhalten mögen. Der Zeremonie folgt die Verteilung von Geschenken und Nahrungsmitteln. Gegen Abend oder am folgenden Morgen bringt der Pate dem Beschnittenen Pfeil und Bogen und Sandalen. Der Jüngling wird dann auf die Vogeljagd gehen, diese Tätigkeit dauert ca. drei Monate und heißt Laibartani.

Auch der Tod hat seine eigene Zeremonie. Normalerweise werden die Toten nicht beerdigt, mit Ausnahme der ganz berühmten Alten und der nur einige Monate alten Kinder (welche in der Hütte neben dem Feuer begraben werden. Diese Hütte wird dann aufgegeben). Der Tote wird rasiert und sanft auf die Tierhaut, die ihm zum Schlafen dient, gebettet, und zwar so, daß sein Gesicht zu den Bergen gerichtet ist. Die Leute legen Zweige um ihn herum, begleitet von den Worten: „schlaf allein!“. Der Ort wird für einige Zeit in Erinnerung gehalten und jeder, der daran vorbeikommt, wird einen grünen Zweig hinwerfen.

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